Biopolitische Neubestimmung des Menschen

Menschenwürde und Autonomie

Hrsg. v. Johannes Hattler / Johann Christian Koecke, 174 S., Springer VS 2020, EUR 39,99

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland haben die Menschenwürde als Höchstwert und oberstes Prinzip verankert. Biopolitischen Eingriffen durch den Staat sollte damit eine absolute Grenze gesetzt werden. Die Unbestimmtheit der Menschenwürde hat jedoch in den bioethischen Debatten der letzten Jahrzehnte dazu geführt, dass die Vorrangstellung der Menschenwürde in Frage gestellt wurde oder sich Vertreter entgegengesetzter Positionen beide gleichermaßen auf die Würde des Menschen berufen konnten. So stehen Eugenik und Euthanasie – in liberalem Gewande – als legitime Optionen wieder auf der Tagesordnung. Dies ist einerseits eine Problemanzeige und andererseits der Hinweis darauf, das unterschiedliche Lager unter Würde unterschiedliches verstehen. Der vorliegende Band diskutiert vorranging das Verhältnis von Menschenwürde und Autonomie als den zentralen Argumentationsgrund- lagen dieser Debatte. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit es gerechtfertigt ist, den Würdebegriff durch den Autonomiebegriff zu ersetzen, bzw. ob der Würdebegriff Aspekte des Autonomiebegriffs integrieren oder ausschließen muss, um dem Grundanliegen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gerecht zu werden, ohne Abstriche am Grundsatz der Unverfügbarkeit zu riskieren.

Mit Beiträgen von:

  • Axel W. Bauer: Autonomie als medizinethischer Zentralbegriff der 1990er Jahre 
und ihre Verwandlung zum Mantra entgrenzter Biopolitik
  • Christian Hillgruber: Die Menschenwürde und das verfassungsrechtliche Recht auf Selbstbestimmung – ein und dasselbe?
  • Marcus Knaup: Vom Sterben in Würde
  • Manfred Spieker: Menschenwürde und künstliche Befruchtung. Wohin führt die assistierte Reproduktion?
  • Anthony McCarthy: Künstliche Gebärmutter und Leiblichkeit. Ethische Reflexionen
  • Antje Kapust: Eine bioethische Kartographie von Autonomie
  • Martin Hähnel: Das Konzept der Menschenwürde vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in der Stammzellforschung und Genomchirurgie
  • Johannes Hattler: Zur Differenz von Würde und Autonomie im Kontext der 
Biopolitik
  • Christopher Tollefsen: Autonomie und Autorität: Wiederentdeckung des klassischen Zugangs zur Medizin
  • Hans Thomas: Selbstbestimmung: ein biopolitisch fragwürdiges Kriterium. Existenzgrundlage der Medizin ist das ihr inhärente Arztethos

Zurück