Zitate

Roland Tichy

Der „Helikopterjournalismus“ funktioniert nicht mehr. Man flog ein auf ein Bistum, einen Bundespräsidenten, ein Unternehmen und warf eine Brandbombe ab; der Dschungel war entlaubt, die Menschen tot, der Journalist weg. Das funktioniert nicht mehr. Denn ab jetzt wird zurückgeschrieben. Der Berufstand des Journalisten ist entautorisiert.

Roland Tichy (Frankfurt),
Lindenthal-Institut 2015

Norbert Bolz

Daraus folgt die Allgegenwart von Propaganda. Eine Gegeninstanz zu finden oder zu etablieren scheint nahezu unmöglich. Aufklärung, gerade auch gegen die Propaganda des Staates, wie man sie von den Massenmedien erwartet hat, wird offensichtlich immer schwieriger. Man könnte auch sagen: Aufklärung ist gescheitert. Stattdessen leben wir in einer Art Informationshypnose. Diese Diagnose hat Jacques Ellul schon vor Jahrzehnten gestellt und sie trifft heute mehr denn je zu. 

Wenn es stimmt, was Walter Lippmann schon vor hundert Jahren formuliert hat, nämlich dass die Welt zu komplex ist, dass wir uns selber, durch eigene Informationsverarbeitung eine eigene Meinung bilden können, dann muss man sogar davon ausgehen, dass die meisten Menschen ein Bedürfnis danach haben propagandiert zu werden. Es gibt ein Bedürfnis nach Propaganda. Und deshalb kann ich noch einmal mit einer Formel schließen: Propaganda ist die Public Relations der Bösen und Public Relations ist die Propaganda der Guten. 

Norbert Bolz (Berlin),
Lindenthal-Institut 2014

Sergio Belardinelli

Jedes anthropologisch, gesellschaftlich, politisch, ethisch oder auch theologisch relevante Thema zwingt, der Institution Familie Rechnung zu tragen. Deshalb gilt es, unmissverständlich ihre Schlüsselrolle sowohl für das individuelle als auch für das gesellschaftliche Leben aufzuzeigen – gerade, weil diese Schlüsselrolle immer weniger Anerkennung findet.

Im Unterschied zu Beziehung, die den Aspekt auf die gegenseitige Verpflichtung legt, bezeichnet "Netzwerk" einen Kontext, wo Eintritt und Austritt gleichermaßen leicht sind. Es genügt, die Löschtaste zu drücken.

Sergio Belardinelli (Bologna),
Lindenthal-Institut 2013

Josef Isensee

"Naturrecht birgt einen breiten Fächer von Denkmöglichkeiten eines Leitbilds für das richtige positive Recht kraft menschlicher Vernunfteinsicht und Erfahrung. Das aber ist eine unabgeschlossene und unabschließbare Aufgabe, die jede Generation neu zu bewältigen hat."


"Ob und wie sich die Naturrechtsproblematik vermitteln läßt als moderne Form der Gerechtigkeitsfrage? (...) Ich darf Ihnen einfach aus väterlicher Erfahrung sagen, was ich gelernt habe von meinen Kindern an Gerechtigkeitsvorstellungen (...):

"Ich habe es gar nicht getan." - Kategorie der Verantwortung für eigenes Handeln.
"Ich kann aber nichts dafür." - Begrenzung der Haftung auf Verschulden.
"Ich habe die Türe nicht aufgemacht, muss sie also auch nicht schließen." - Verursacherhaftung.
"Ich auch." "Immer nur ich." - Gedanke der Gleichheit und das Diskriminierungsverbot.
"Die anderen Kinder dürfen es aber." - Allgemeinheit der Normen und die Beachtlichkeit von Berufungsfällen.
"Du hast es aber versprochen." - Bindung an das eigene Wort (pacta sunt servanda).
"Du tust es doch selber nicht." - Konsequenz der Norm für den Normengeber, seine Verpflichtung, die eigene Norm zu erfüllen und vorzuleben.
"Du lügst." - Pflicht zur Wahrheit."

Josef Isensee (Bonn),
Lindenthal-Institut 2009

Martin Rhonheimer

"Mit eindeutig emanzipatorischer Funktion tritt oft das Naturrecht im Namen einer höheren Wahrheit gegen das überkommende Recht auf. Auf der anderen Seite steht Naturrecht immer in Verbindung mit historisch Gewachsenem. Denn dort, wo es konkret wird, kann man nicht absehen von dem, was in einer Gesellschaft vorgefunden wird. Darüber kann sich die Rechtsordnung nicht hinwegsetzen. Der Jurist kann nicht einfach auf Grund von naturrechtlichen Gesetzen Recht sprechen. Aber er muss diese Doppelpoligkeit von historisch Gewachsenen und Naturrecht vor Augen haben. Naturrecht ist zwar immer konkretisiert in Geschichte, tritt aber auch als Instanz der Kritik des historisch Vorgefundenen und mit dem Anspruch wahren Rechts auf."

Martin Rhonheimer (Rom),
Lindenthal-Institut 2009

Manfred Spieker

"Das Gemeinwohl zahlt für den Niedergang einer stabilen Ehekultur einen hohen Preis. Der Leviathan springt ein. Er wird um so stärker, je schwächer die Ehekultur ist. Würde die Familienpolitik ihre Genderfixierung aufgeben und die sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse über den Zusammenhang von Ehe, Familie und Kindeswohl berücksichtigen, müsste sie ganz andere Schwerpunkte setzen als sie gegenwärtig setzt. Sie müsste sich wieder an Art. 6 GG orientieren."

Manfred Spieker (Osnabrück),
Lindenthal-Institut 2008

Rocco Buttiglione

"Kann der Staat allen menschlichen Bedürfnissen gerecht werden? Ja, aber unter einer Bedingung: Um allen menschlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, braucht der Staat freie Verfügungsgewalt über alle gesellschaftlichen Ressourcen. Das ist dann ein totalitärer Staat, der über alle Arbeitskräfte, allen Reichtum, alle Hilfsquellen der Gesellschaft verfügt."

Rocco Buttiglione (Rom),
Lindenthal-Institut 2008

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

"Leben ist kein distanziertes Etwas, es ist eben es selbst. Wahrheit ist Selbstoffenbarung des Lebens. Sie zeigt sich selbst, erleuchtet sich selbst, spricht von sich selbst, kann nicht von außen "bewiesen" werden. Wahrheit teilt die Selbstevidenz des Lebens; vielmehr: sie ist diese Selbstevidenz."

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz (Dresden/Erlangen),
Lindenthal-Institut 2008

Robert Spaemann

"Wenn es keine Wahrheit im Bereich des Rechtes und also keine Herrschaft der Wahrheit gibt, dann ist eine solche Verfassung [das Grundgesetz] eine Herrschaft der Toten über die Lebenden. Wenn die Grundrechte nur Ausdruck der persönlichen Meinungen der Verfassungsväter sind, dann bedeuten sie einfach Tyrannei."

Robert Spaemann (München/Stuttgart),
Lindenthal-Institut 2008

Carlos Cavallé

"Das ist das Thema unserer Zeit: die ethische Dimension hineinzuholen in die Entscheidungen über alle Prozesse und Verfahren."

Carlos Cavallé (Barcelona/New York),
Lindenthal-Institut 2007

Horst Albach

"Ich möchte beweisen, dass die "christliche Kinderstube" eine der theoretischen Wurzeln der Betriebswirtschaftslehre ist und dass aus dieser Wurzel das praktische unternehmerische Handeln gespeist wird."

Horst Albach (Berlin/Bonn),
Lindenthal-Institut 2007

Maria Nuria Chincihlla

"Die wahre Führungspersönlichkeit genießt Respekt und Vertrauen. kultiviert die Identifikation aller Beteiligten mit dem Unternehmen, sieht ihre Bedürfnisse voraus und kümmert sich darum. Eben auch - und zwar pro-aktiv - um eine familienverantwortliche Unternehmenskultur mit Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. So kommt eine ganzheitliche Förderung seiner Leute in Gang."

Maria Nuria Chincihlla (Barcelona),
Lindenthal-Institut 2007

Robert L. Walley

"Zu Beginn meiner geburtshilflich-klinischen Ausbildung im Jahr 1968 wurde uns Jungärzten beigebracht (...), dass wir mit Beginn jeder Schwangerschaft zwei Patienten haben, denen unsere Sorge zu gelten hat."

Robert L. Walley (St.John's/Kanada),
Lindenthal-Institut 2004

William B. Hurlbut

"Zunehmend erwarten wir von der Medizin nicht nur Freiheit von Krankheit, sondern auch Freiheit von jeglicher Beeinträchtigung des Wohlbefindens, von Anstrengung, sogar von den natürlichen Zwängen des Lebenslaufs - von allem, was zu wünschen übrig läßt, was unvollkommen erscheint oder schlicht unangenehm ist."

William B. Hurlbut (Standford),
Lindenthal-Institut 2004

Edmund D. Pellegrino

"Die kranke Person befindet sich in einem Zustand der Verletzlichkeit, der Hilfsbedürftigkeit, der Abhängigkeit von anderen, die diese Hilfe leisten können und über das hierzu technische Wissen verfügen. In diesem verletzlichen Zustand begegnet dem Patienten der Arzt und bekennt sich offen und freiwillig zu diesem Beruf, erklärt sich als jemand, der helfen kann und helfen will, d.h. Er vollzieht einen Bekenntnisakt. Dieser Bekenntnisakt erfolgt täglich, in der Begegnung mit jedem Kranken. Somit ist es ein persönlicher Bekenntnisakt - ein Versprechen gegenüber einer konkreten Person. In einer mehr öffentlichen und allgemeinen Form wird das Bekenntnis zu Beginn und zum Abschluss der medizinischen Ausbildung abgelegt. Das ist ein Akt öffentlichen Versprechens. Dieser Akt des Versprechens führt den Absolventen in den Arztberuf."

Edmund D. Pellegrino (Washington),
Lindenthal-Institut 2004

Karin Graßhof

"Zu der schwer zu verstehenden Konstruktion, dass der Arzt rechtmäßig handelt, auch wenn er einen rechtswidrigen Erfolg herbeiführt (...): Wenn die Frau sich unter den Voraussetzungen der Straffreiheit für den Abbruch entscheidet, hilft ihr der Arzt im Interesse ihrer eigenen Gesundheit. Deshalb ist dem Arzt die Vornahme des Eingriffs erlaubt.

Die juristische Spagatübung zwischen Rechtmäßigkeit und Rechtswidrigkeit ist die Folge davon, dass effektiver Lebensschutz gewährleistet sein soll in der sozialen Wirklichkeit, wie sie sich nun einmal entwickelt hat."

Karin Graßhof (Richterin am BVerfG)
Lindenthal-Institut, 1993

Herbert Tröndle

"Eine Rechtsordnung, die es - dem Autonomieverständnis der Existenzialphilosophie folgend - stets der "Eigenverantwortung" der Frau, also ihrer Autonomie, überlässt, ob ein existenter, aber ungeborener Mensch weiterleben darf oder nicht, hat sich bereits aufgegeben. Denn wo für die Frage, ob ein fremdes Rechtsgut zu beachten ist oder nicht, ein absoluter Subjektivismus maßgebend sein soll, fehlt es nach Hans Welzel schon am Begriff des Rechts, das stets eine überindividuelle Ordnung ist."

Herbert Tröndle (Waldhut)
Lindenthal-Institut, 1993

Gonzalo Herranz

"Ich wage zu behaupten, dass das gesamte Schicksal der Medizin von der Fähigkeit der Ärzte abhängt, Kurs zu halten zwischen den trügerischen Klippen der Euthanasie einerseits und den bewusst unnützen Behandlungseingriffen andererseits, wenn es darum geht, unserem dem Sterben nahen Patienten mit einer quantitativ und qualitativ angemessenen Medizin gerecht zu werden."

Gonzalo Herranz (Pamplona/Spanien)
Lindenthal-Institut
, 1992

Winfried Kluth

"Da der Mensch sein Lebensrecht nicht wegen bestimmter Fähigkeiten besitzt, sondern weil er Mensch ist, und dass er Mensch ist, weil er von menschlichen Eltern abstammt, deswegen ist der Nachweis der biologischen Artzugehörigkeit ein hinreichendes Argument, um die Teilhabe am Menschenrecht auf Leben zu begründen. Jede an biologisch begründete Fähigkeiten anknüpfende Differenzierung erscheint demgegenüber als unzulässige Ableitung normativer Wertungen aus naturwissenschaftlichen Tatsachen."

Winfried Kluth (Halle)
Lindenthal-Institut
, 1993

Hans Thomas

"In diesem sogenannten ethischen Diskurs ist der Machtkampf der Glaubensbekenntnisse lautlos schon im vorhinein entschieden: Wer sich an der Dskussion beteiligt, hat vorher religiöse oder sonstige "vorgefasste" Moralvorstellungen abzulegen und sich überhaupt von "sachfremden" Autoritäten zu befreien. Die Eintrittskarte verlangt, sich dem Bekenntnis zum Glauben an den voraussetzungslosen Diskurs anzuschließen. Dessen Autonomie ist die einzige Dogmatik, die nicht begründungspflichtig, daher zugelassen ist."

Hans Thomas (Köln)
Lindenthal-Institut
, 1992

Herwig Schopper

"Wir müssen uns damit abfinden, dass es Elementarteilchen im "naiven" Sinne von Newton nicht gibt. Wir müssen eine andere Basis für die Naturerklärung finden, die auf das Bild von Kügelchen, zwischen denen Kräfte wirken, verzichtet. Wenn wir fragen, was wir unter einem Elementarteichen verstehen, dann lautet die Antwort: Es handelt sich um einen quantenmechanischen Zustand, der einer Differentialgleichung genügt und durch bestimmte Quantenzahlen wie Ladung, Spin, etc. charakterisiert wird. (...) Die "Entmaterialisierung der Grundbausteine der Materie geht aber weiter..."

Herwig Schopper (CERN Genf)
Lindenthal-Institut, 1990

Sir John C. Eccles

"Gegenstand der biologischen Evolution sind biologische Strukturen: die Gene. Die kulturelle Evolution ist in keiner Weise genetisch gebunden. Sie wird vollständig vermittelt durch Unterweisung und Lernen."

Sir John C. Eccles (Melbourne/Sydney/Buffalo)
Lindenthal-Institut, 1988

Gerard-François Dumont

"Nicht exponentielles Bevölkerungswachstum wird die Herausforderung des 21. Jahrhunderts sein, sondern im Gegenteil die Alterung der Bevölkerungsstruktur, die im Norden bereits in vollen Gange ist und sich auf den Südden ausdehnen wird."

Gerard-François Dumont (Paris)
Lindenthal-Institut, 1994

Lord Peter T. Bauer

"Es ist ein Irrtum anzunehmen, das Bevölkerungswachstum in der Dritten Welt bedeute eine größere Bedrohung ihrer Wohlstandsentwicklung. In der Politik geht es nur darum, ob die Frage, wieviele Kinder die Leute bekommen, von den Eltern oder von Staatsbeamten entschieden werden soll."

Lord Peter T. Bauer (London)
Lindenthal-Institut, 1994

Colin Clark

"Malthus war ein protestantischer Geistlicher im England des späten 18. Jahrhunderts, der die seltsame Theorie aufstellte, dass die Bevölkerung stets schneller wachse als die Nahrungsmittelversorgung, und dass die Menschheit deshalb ständig Hunger leide. (...) Die dänische Volkswirtin Ester Boserup hat vor allen Dingen auf diesem Gebiet gearbeitet und anhand historischer Daten aus Europa und Untersuchungen im heutigen Afrika nachgewiesen, dass die mathusianischer Lehre das genaue Gegenteil der Wahrheit darstellt. Wachsende Bevölkerungszahlen führen zu Verbesserung der Landwirtschaftstechnik und, wie ich noch zeigen werde, in den entwickelten Ländern auch zu kulturellen und industriellen Verbesserungen."

Colin Clark (Melbourne/Chicago/Oxford)
Lindenthal-Institut, 1975

Boris Groys

"Wenn jemand in unserer Zeit behauptet, er sei kontemplativ, wird von ihm sofort ein Beweis dafür verlangt, in Form eines Buches, eines Kunstwerks, einer philosophischen oder wissenschaftlichen Abhandlung, usw."

"Nicht Wissenschaft und Technologie liegen dem Gedanken des Szientismus zugrunde. Der Szientismus ist die ideologische Verlängerung und Weiterführung der Ergebnisse von Wissenschaft und Technologie - freilich unter Vernachlässigung ihrer wirklichen Arbeitsweise."

Boris Groys (Köln),
Lindenthal-Institut 1989

"Die Mumie Lenins ist, wie die Kunst des 20 Jahrhunderts, die sich an der Konzeption des ready made orientiert, ein Zeichen dafür, dass jede Hoffnung auf die jenseitige Transformation verloren gegangen ist."

Boris Groys (Köln),
Lindenthal-Institut1991

Elisabeth Anscombe

"Nein. [zu einem fundamentalen Recht auf Religionsausübung]. Das ist ganz und gar Unsinn. Und der ist in unserer Zeit sehr verbreitet. Ich vermute, dass diese Idee nur auf Überlegungen über etwas beruht, was ich "nette Religionen" nennen möchte. Was aber, wenn eine Religion verlangt, Menschenopfer darzubringen? ... Eine Religion kann Ales mögliche implizieren. Es schient mir ganz und gar lächerlich zu sagen: Religionsausübung ist ein fundamentales Recht. Es sei denn sie sprechen von "wahrer Religion". Man könnte sagen, dass es eine absolute Unmöglichkeit ist, dass der Staat verbietet, Gott zu verehren. Jedoch einfach zu sagen: Religion ist sakrosankt ... dabei denkt man offensichtlich nur an "nette Religionen", an "ordentliche Religionen"."

Elisabeth Anscombe (Cambridge),
Lindenthal-Institut1975

Josef Pieper

"Genau hierauf ist es abgesehen mit dem Richtbild der vier Kardinaltugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Maß. Und ich bin überzeugt davon, dass diese Konzeption nicht nur zu "retten" ist, sondern dass sie auch den Menschen zu "retten" vermag, sofern er sie meditierend bedenkt, sprachlich präsent hält und vor allem - realisiert."

Josef Pieper (Münster),
Lindenthal-Institut 1974

Viktor E. Frankl

"Wie ich es sehe, ist der Wille zum Sinn ein Aspekt eines anthropologischen Grundphänomens, nämlich dessen, was ich Selbst-Transzendenz nenne. Die Selbsttranszendenz der menschlichen Existenz besteht in dem fundamentalen Tatbestand, dass Menschsein immer über sich selbst hinausweist auf etwas, das nicht wieder es selbst ist, auf etwas oder auf jemand: auf eine Sache, in deren Dienst man steht, oder auf eine Person, die man liebt. Und nur in dem der Mensch sich solcherart transzendiert, verwirklicht er sich auch selbst."

"Sinngebung ist schon deshalb nicht möglich, weil nur Sinnfindung möglich ist."

Viktor E. Frankl (Wien),
Lindenthal-Institut 1974

Joseph Kardinal Höffner

"Zu allen Zeiten haben sich die Menschen gegen die sittlichen Normen verfehlt. Ideal und Wirklichkeit klaffen stets auseinander. Heute jedoch werden die sittlichen Werte als solche grundsätzlich in Frage gestellt und als Bewusstseinszwänge, als Tabus, als ideologischer Überbau abgelehnt. Moral sei als Produkt von Psychologie und Soziologie entlarvt, Gültiges wird durch Gängiges ersetzt."

Joseph Kardinal Höffner (Köln),
Lindenthal-Institut 1973

Fernando Inciarte

"Nicht erst an der alltäglichen Praxis, deutlicher noch an der geschichtlichen Theorie lässt sich nachweisen, wie sehr die Absolutsetzung des Gewissens einer Bankrotterklärung der Moral gleichkommt."

Fernando Inciarte (Münster),
Lindenthal-Institut 1973