Sergio Belardinelli: Die Familie als unersetzbare Ressource freiheitlicher und offener Gesellschaften

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Aus der Familie als Keimzelle des gesellschaftlichen Lebens und des Staates scheint eine weniger bedeutende Form des individuellen Lebens und der Privatsphäre geworden zu sein. Zunahme der Scheidungen, Rückgang der Eheschließungen, Zunahme der Singles und der sogenannten "nichtehelichen Lebensgemeinschaften", rückläufige Kinderzahlen, medizinisch unterstützte Fortpflanzung sind zahlreiche Anzeichen eines deutlichen sozio-kulturellen Wandels, der genau in der von der modernen Kultur ausgelösten "Entwicklung zur Individualität", wie Georg Simmel es genannt hat, eine ihrer wesentlichen Möglichkeitsbedingungen hat. Wie bei den meisten historischen Veränderungen handelt es sich natürlich auch in diesem Fall um einen ambivalenten Prozess, der nicht nur durch viel Schatten, sondern auch durch viel Licht gekennzeichnet ist: Das Ende der Unterordnung der Frau unter den Mann, die Herausbildung von Familienbeziehungen, die immer stärker von gegenseitiger Verantwortung und gegenseitigem Respekt geprägt sind, ein gesteigertes Bewusstsein der Verantwortung, die die Zeugung von Kindern und ihre Erziehung mit sich bringt, sind Erscheinungen von positiver Bedeutung.

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