Ehe und Familie - Säulen des Gemeinwohls

Colloquium 2012-13

Den einführenden "Gesprächsabend über Ehe und Familie" am 19. September 2012 eröffnete der Vortrag von Dr. Lothar Häberle "Einflussfaktoren auf die Geburtenrate 'jenseits von Euro und Cent'. Demoskopische und demographische Einblicke" mit ausführlichen statistischen Daten zu Motivlagen in Deutschland zur Entwicklung von Ehe und Familie sowie Kinderarmut. Professor Manfred Spieker ergänzte grundsätzliche sozialwissenschaftliche, rechtliche und familienpolitische Ausführungen unter dem Titel "Ehe und Familie als Ressource des Gemeinwohls. Wer verteidigt Art. 6 GG?". Professor Spieker legte dabei die umfassende und nicht ersetzbare Bedeutung von Ehe und Familie für die Zukunft unser Gesellschaft dar. 

Am 20. Oktober 2012 fand das Colloquium unter dem Titel "Schutz von Ehe und Familie" statt. Nach der Begrüßung und kurzen Einführung durch Dr. Häberle, referierte Prof. Dr. Gregor Thüsing über "Zeitpolitik - auch für kinderreiche Familien". Als Vorsitzender des wissenschaftlichen Gremiums zur Vorbereitung des 8. Familienberichts des Bundesregierung 2012 stellte Professor Thüsing die Notwendigkeit einer familienpolitischen Weichenstellung hin zu mehr verfügbarer Zeit für Familien und aktuelle Möglichkeiten und Maßnahmen dar. Unter dem Titel "Gleichstellung der Frau als Frau - Lebenspraktische Anmerkungen einer Journalistin und Mutter" bereicherte die Journalistin und sechsfachen Mutter Katrin Krips-Schmidt M.A. die akademischen Betrachtungsweisen mit ihrem bodennahen persönliche Zeugnis gelungener konsekutiver Vereinbarkeit von Familie und Beruf - mit Folgerungen für ein gesellschaftliches Umdenken über die Leistung von Müttern in der Familienarbeit und für die Politik. Der Familienpolitik widmete sich Professor Gregor Kirchhof in seinem Vortrag "Der besondere Schutz der Familie im Steuerstaat. Leistungsgerechtigkeit - Lenkungssteuern - Sozialversicherungen". Seinem Blick auf die steuerlichen und sozialen Lenkungsmechanismen entgingen nicht deren Möglichkeiten, politisch ungenutzt zu bleiben, gar konterkariert zu werden. Abschließend wurden die behandelten Themen ausführlich diskutiert.

Den ersten Teil am 6. Februar 2013 eröffnete Dr. Hans Thomas mit einer Einführung und einem Rückblick auf die vorangegangen Veranstaltungen. Im Anschluss daran referierte Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Robert P. George (Princeton) über "Was die Ehe ist - und was sie nicht ist". Er plädierte philosophisch, soziologisch, biologisch, juristisch und politisch für das bewährte Eheverständnis als komplementär-geschlechtlicher Partnerschaft und betonte die kulturübergreifend und historisch belegbare Einsicht in dessen besondere Stellung. Der folgende Vortrag von Prof. Dr. Sergio Belardinelli (Bologna) über "Die Familie als unersetzbare Ressource freiheitlicher und offener Gesellschaften" analysierte das Spannungsverhältnis von Individualismus und familiärer Bindung. Im Anschluss an die Würdigung der Errungenschaften der Moderne und der Individualisierung unserer Lebenswelten betonte Belardinelli die unersetzbare Bedeutung der Familie als Garant für die volle Entfaltung unserer relationalen Natur und damit freiheitlicher Gesellschaften. Bei der folgenden Aussprache, geleitet von Prof. Dr. Manfred Spieker, wurden die genannten und weiterführende Aspekte diskutiert. 

Der ursprünglich für März 2013 angesetzte zweite Veranstaltungstermin musste wegen Verhinderung der Referentin Haaland Matlary verschoben werden. Am 14. September fand der letzte Teil der Colloquienfolge als international-interdisziplinärer Abschluss statt. Den Einführungsvortag hielt Dr. Hans Thomas über "Ehe und Familie - Wurzel, nicht Konstrukt der Gesellschaft". Mit Blick auf die familienpolitischen Diskussionen in den USA und Frankreich stellte er die demographische Schieflage unserer Gesellschaften dar und ging kritisch auf die Gender-Ideologie ein. In Ihrem Vortrag über "Menschenrechte und Naturrecht - mit Blick auf die Rechte der Kinder" untersuchte Prof. Dr. Janne Haaland Matlary (Oslo) die Entwicklung der Interpretation und Bedeutung der Menschenrechte auf internationaler und nationaler Ebene. Anhand der Kinderrechte machte sie im einzelnen deutlich, wie eine radikal konstruktivistische Auffassung der Menschenrechte ihre ursprünglich naturrechtliche konterkariert und dadurch konkrete Kinderrechte aushöhlt. Prof. Dr. Michael-Burkhard Piorkowsky (Bonn) referierte als Wirtschaftswissenschaftler über "Private Haushalte - ökonomische Basisinstitutionen der Gesellschaft". Dabei kritisierte Piorkowsky die herrschende Betrachtungsweise, für die Familienhaushalte nur Konsumenten im Wirtschaftsprozess darstellen. Neueren Forschungsergebnissen würde man nur mit einer deutlich stärkeren Berücksichtigung privater Haushalte bzw. Familien als Produzenten und damit ihrer strukturgebenden Funktion für Wirtschaft und Gesellschaft gerecht. In der Aussprache wurden im interdisziplinären Austausch wichtige Aspekte ergänzt und die Fragen der rd. 70 Teilnehmer beantwortet.

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